todesReihe
fortlaufendes Konzertprojekt zur Todesstrafe
“Wie kann es sein, dass Menschen nach dem Gesetz getötet werden?”
“Todesstrafe ist staatlicher Mord!”
Statements wie diese hört man überall. Es ist das verständnislose Kopfschütteln, die unfassbare Tragweite solcher Strafgesetze. Weit entfernt von unserem zivilisierten Alltag sind die Hinrichtungen freilich nicht: in der DDR wurde die Todesstrafe erst 1987 abgeschafft, das Bundesland Hessen sieht die Todesstrafe in Artikel 21 der Landesverfassung bis heute vor. Es verstört uns in einer Welt zu leben, in der die Gesetze die Möglichkeit, ja die Notwendigkeit regeln, Straftäter hinzurichten. Über dieses Kopfschütteln und das Nichtverstehen geht es oft nicht hinaus.
Wir haben uns entschieden, zu diesem Thema zu arbeiten. Diese Arbeit ist kein einmaliges künstlerisches Statement gegen die Todesstrafe. Vielmehr ist die Übersetzung von “Death Row” ein Hinweis auf die Form und die Kontinuität unseres Vorhabens: Jeder Auftritt spiegelt das Jetzt: wir beschäftigen uns mit der Absurdität der Todesstrafe generell und ganz speziell mit einem individuellen Fall: wir haben Kontakt zu einem Verurteilten aufgenommen und werden zukünftig unseren Dialog mit ihm, sowie die aktuellen Entwicklungen in diesem Fall in unsere Auftritte einarbeiten und so eine Konzertreihe entstehen lassen.
Für dieses Projekt haben Andreas Tiedemann (Regisseur) und Kai Niggemann (Komponist und Tonmeister) das Soundsystem
woofer gegründet. Ziel von
todesReihe ist es, die Auseinandersetzung sinnlich erfahrbar zu machen, durch echte Stimmen und echte Beats. Die Auftritte des Soundsystems “woofer” sind ein Bombardement von Texten, Statements, O-Tönen, Beats und Bass. Inhaltliche Auseinandersetzung mit einem sehr harten Thema, formuliert in der Sprache der Clubs und Dancefloors. Das konkrete Eintauchen in die politische Message. Das Gegenteil eines Betroffenheit-Gesichts hinter dem Infostand der Menschenrechtsgruppe.
Total Immersion, die Wucht der Fragezeichen.Die Message transportiert sich über Geräusch und Sprache. Live-gesprochenes und -gesungenes wird von der Elektronik genauso aufgesogen und verfremdet ausgespuckt, wie Originalaufnahmen, historische Reden, Statements und eigens geführte Interviews.